Besucher-, Medien- und Dokumentationszentrum

Friedland

Wettbewerb 3.Preis 2018 Mit studio polymorph.

Auf den ersten Blick vertraut, auf den zweiten vielschichtig – Der Entwurf für das neue Dokumentationszentrum in Friedland übersetzt das Spannungsfeld von Heimat und Fremde in gebaute Architektur. Dachschrägen und Giebel fügen sich in die kleinstädtische Silhouette – doch die konsequente Formensprache der Fassaden verbindet die Häuser zu einem zeichenhaften Ganzen, das vertraute Wohnbilder und die Strenge provisorischer Bauten anklingen lässt.

Der Neubau vermittelt städtebaulich zwischen historischem Bahnhof und den großmaßstäblichen Lagerbauten. Das gläserne Erdgeschoss öffnet sich allseitig und schafft Durchblicke zwischen Gleisen, Besucherzentrum und Lagerwelten – ein kommunikativer Third Space mit Foyer, Café und Bibliothek. Darüber schweben die Ausstellungsgeschosse, verkleidet mit Aluminium-Trapezblech: Schutz und Geborgenheit einerseits, Anonymität und Unnahbarkeit andererseits.

Variierende Raumzuschnitte, Sichtbeziehungen und wechselnde Belichtung erzeugen ein vielschichtiges Grundgerüst für die Ausstellung. Das Stahlbeton-Tragskelett ermöglicht ein passives Lüftungskonzept über Kamineffekt und Bauteilaktivierung. Ein Besucherpfad führt durch Bahnbrache, Obstterrassen und Gärten – Freiräume, die den Gefühlswelten geflüchteter Menschen nachspüren.

Offenheit und Geschlossenheit, Identität und Anonymität – der Entwurf verhandelt mit architektonischen Mitteln das Spektrum dessen, was Migration mit sich bringt.

© Richter Musikowski